Am 11. Juni 2026 fand der Online IHE Austria Day statt. Rund 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten interessiert den Vorträgen zu aktuellen Themen der digitalen Gesundheitsversorgung mit anschließender Diskussion.
EHDS – Philip Schardax (BMASGPK)
Philip Schardax vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz referierte über den aktuellen Zeitplan des European Health Data Space (EHDS). Als direkt anwendbare EU-Verordnung bedarf der EHDS keines nationalen Umsetzungsgesetzes. Die generelle Geltung ab 26. März 2027 sieht gestaffelte Übergangsfristen vor. Für Hersteller besonders relevant: Ab 26. März 2029 soll der Marktzugang nur noch für konforme Produkte und EHR-Systeme möglich sein. „2029 ist näher, als man denkt“, betonte Schardax und empfahl, sich bereits jetzt mit der Thematik zu befassen. Gleichzeitig sieht er darin eine Chance, da künftig EU-weit einheitliche Standards gelten werden.

Schweizer Projectathon-Erfahrungen – Adrian Schmid (IHE Suisse)
Adrian Schmid, Präsident von IHE Suisse, schilderte, wie die Schweiz ihre Projectathons durchführt und welche Learnings dabei entstanden sind. Der erste Impulskam durch den IHE Connectathon 2009 in Wien; 2012 folgte ein eigener IHE Connectathon in der Schweiz. In den darauffolgenden Jahren wurde das Elektronische Patientendossier (EPD) aufgebaut. 2017 fand der erste nationale Projectathon statt – auch mit dem Ziel, eine Community in der Schweiz zu etablieren. Es folgte eine intensive Phase bis 2022.
Exkurs EPD: Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) gibt den rechtlichen Rahmen für Organisation, Technik sowie Datenschutz und -sicherheit vor. Von Kantone sind dafür zuständig, dass in ihren Versorgungsregionen ein EPD-Angebot entsteht und finanziert wird. Aufgenommen werden nur zertifizierte Gemeinschaften. Durch komplexe finanzielle Kompetenzaufteilungen, getrennte Kassen und kantonale Zuständigkeiten gab es anfangs relativ viele Stammgemeinschaften (vergleichbar mit den österreichischen ELGA-Bereichen) – diese wurden inzwischen auf vier konsolidiert. Technisch setzt das System auf dezentrale Vernetzung nach IHE in der technischen Vernetzung, HL7/FHIR für die Inhalte und SNOMED CT für die Codierung. Das Elektronische Patientendossier (EPD) wurde in diesem Jahr im Zusammenhang mit neuen rechtlichen Grundlagen in das Elektronische Gesundheitsdossier (E-GD) umbenannt.
Zum EHDS merkte Schmid an, dass in der Schweiz daran ist, einen Swiss Health Data Space aufzubauen, Im Idealfall könnte sich dieser in Zukunft ohne viel technischen Aufwand an den EHDS anschliessen. 2026 findet der Schweizer Projectathon, der „Digital Health Projectathon„, ausschließlich online statt.

IHE Europe im Überblick – Jürgen Brandstätter
Jürgen Brandstätter gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei IHE Europe.
Am IHE Europe Connectathon in Brüssel testeten 52 Hersteller 68 Systeme. Über 2000 Tests wurden durchgefürhrt, die meisten auch verifiziert.
Bei der EURIDICE-Initiative handelt es sich um eine strategische europäische Kooperation zwischen HL7 Europe und IHE-Europe. Die Initiative verbindet die HL7 FHIR-Expertise mit der bewährten IHE-Testmethodik. Ihr primäres Ziel ist es, einsatzbereite und testbare IT-Spezifikationen Implementation Guides (IGs) zu entwickeln, die der Europäischen Kommission als technische Grundlage für die Durchführungsrechtsakte des Europäischen Gesundheitsdatenraums (EHDS) dienen. Mit wesentlicheer österreichischer Beteiligung fließen die Ergebnisse der EURIDICE-Kooperation auch direkt in die Weiterentwicklung der österreichischen ELGA Infrastruktur ein.
Siehe dazu auch:
Positionspapier der österreichischen e-Health-Standardisierungsorganisationen: Empfehlung für nationale e-Health Standards
Weitere Gemini-Projekte: Das Projekt „FHIR Laboratory Report“, das den Austausch von Labordaten standardisiert, wurde zunächst auf EU-Ebene entwickelt, dann international weitergeführt und in Folge als Gemini-Projekt genehmigt. “Ein Gewinn für Europa, dass dieser Standard nun auch international abgeleitet wird”, so Brandstätter.
Das Projekt „HL7 FHIR Multi-domain HIE Architecture“ soll verschiedene Gesundheitsbereiche standardisiert verbinden (REST-APIs.) Sie fungiert als zentraler Übersetzer, der isolierte Datensilos (z. B. Kliniken, Labore, Forschung) in einer einheitlichen Sprache zusammenführt.
In Sachen Patient Summary (IPS) wird im Joint Initiative Council (JIC) weitergearbeitet. Als aktuelle Entwicklung hinsichtlich der Governance wurde ein konkreter Vorschlag erarbeitet, wie sich mehr als 40 Länder aktiv einbringen können.

ELGA Projectathon September 2026 in Graz – David Maurer (ELGA GmbH), Florian Schnurer / Victor Grogger (IHE Austria)
(Anm.: David Maurer vertritt Emmanuel Helm)
Der Rückblick auf den ELGA Projectathon 2025 zeigte: Das wichtigste Take-away aller Teilnehmenden: Es war eine intensive Zusammenarbeit, auch wenn diese am Markt teils Konkurrenten sind. Schnelle Lösungen, die man alleine nur schwer erzielen könnte, wurden gemeinsam erarbeitet.
Der ELGA Projectathon 2026 findet am 15.–17. September 2026 im LKH Graz Seminarzentrum statt. Die Anmeldefrist läuft bis 31. Juli 2026.
Zielgruppe sind Hersteller, Entwicklerinnen und Entwickler, Integrationsspezialistinnen und -spezialisten sowie Healthcare-IT-Profis.
Der inhaltliche Fokus liegt auf e-Bilddaten (IHE XCA und DICOM Web), e-Befund lesen und schreiben sowie der Nutzung der ELGA-Integrationsumgebung für ein realitätsnahes Testumfeld. Die ELGA GmbH unterstützt vor Ort mit Produktmanagement und Testteam. Ziele sind Integrationstests, Anbindungstests an die ELGA-Infrastruktur, Wissenstransfer, Vernetzung sowie Unterstützung bei der Identifikation und Behebung von Fehlerquellen.
Für IHE-Mitglieder ist die Teilnahme kostenlos, für Nicht-Mitglieder beträgt das Ticket 500 €.
Ein Vorbereitungsworkshop ist für Juli geplant.
Anmeldung sind bereits möglich: projectathon@ihe-austria.at
Weitere Informationen folgen in den nächsten Wochen.
Fragen bitte an projectathon@ihe-austria.at
