Vom 15. bis 17. September drehte sich im Seminarzentrum des LKH-Univ. Klinikum Graz alles um das noch vorhandene Plastiksackerl mit CT-, Röntgen- und MRT-Bildern. Dass dieses bald verschwindet, daran arbeiten Unternehmen gemeinsam mit der ELGA GmbH. Um die entsprechenden Gesundheits-IT Produkte bei den Gesundheitsdienstleistern ausrollen zu können, wurden diese bei diesem ELGA Projectathon mit den bewährten IHE-Tools, die für die ELGA Infrastruktur angepasste Gazelle-Testplattform, drei Tage lang getestet. Im Fokus der Tests stand der standardisierte Datenaustausch von ELGA-Bilddaten, um die Systeme der Softwarehersteller für die Nutzer solcher Programme fit zu machen.

Pressekonferenz, Podiumsdiskussion und Führungen für Interessierte
Begleitet wurde die Veranstaltung von einem Besuchstag mit Pressekonferenz, Führungen für Interessierte, einer Podiumsdiskussion, technisch tiefergehenden Fachgesprächen und einem Netzwerkabend.

Ulf Drabek, Vorstand der KAGes, sagte: „Je besser die EDV-Anwendungen miteinander abgestimmt sind, desto effizienter werden unsere administrativen Abläufe – davon profitieren unsere Mitarbeitenden ebenso wie unsere Patientinnen und Patienten. Deshalb unterstützen wir IHE Austria in ihrem Bemühen um einheitliche Standards im Datenaustausch und beteiligen uns am ELGA Projectathon.“
Karlheinz Kornhäusl, Gesundheitslandesrat Steiermark, betonte: „Bei der Veranstaltung geht es darum, das optimale Zusammenspiel der IT-Systeme im Gesundheitswesen noch weiter zu verbessern.“
Auch Markus Pedevilla (Gesundheitsfonds Steiermark) und Victor Grogger (KAGes und IHE-Austria-Vorstand) betonten die Notwendigkeit von Standards, um Anwendungen möglichst nahtlos einbinden zukönnen: „Wir kommunizieren mit vielen anderen Partnern und je standardisierter das passiert, desto einfacher. Als Einkäufer haben wir großes Interesse daran, Software möglichst nahtlos und schnell einbinden zu können.“ Dies werde in Zukunft mit Telemedizin, Hospital at Home und DiGas noch wichtiger werden.
Michael Koren (Gesundheitsfonds Steiermark) betonte, dass neben der Notwendigkeit von Standards und dem EHDS es noch wichtiger sei, die Bevölkerung umfassend und verständlich zu informieren. Viele Menschen könnten immer noch viel zu wenig mit den Begriffen ELGA oder EHDS (European Health Data Space) anfangen.
Der EHDS kommt
Einig war man sich: Standardisierung ist nicht nur für das österreichische Gesundheitswesen, sondern auch für den kommenden Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) die Grundlage.
Alexander Degelsegger, Sektionsleiter der Sektion X im Gesundheitsministerium (BMASGPK) sagte dazu: „Mit dem Europäischen Gesundheitsdatenraum wird ein neuer, wegweisender Rahmen für den Austausch von Gesundheitsdaten geschaffen. In Zukunft können Patientinnen und Patienten digital auf ihre wesentlichen Gesundheitsdaten zugreifen, inklusive einer einheitlichen Patientenkurzakte.
ELGA goes EHDS
Emmanuel Helm, Standardisierungsexperte der ELGA GmbH, sagt dazu: „Wir sind mit ELGA auf einem guten Weg zum EHDS und bereiten uns vor. Dabei hilft uns IHE, denn es schafft einen international etablierten Rahmen für die interoperable Umsetzung von Gesundheits-IT. Für ELGA sind IHE-Profile eine wichtige Grundlage, um den standardisierten Austausch von Gesundheitsinformationen über System- und Herstellergrenzen hinweg zu ermöglichen. Der ELGA Projectathon bringt diese Vorgaben in die Praxis, denn er schafft eine gemeinsame Testumgebung, in der Systeme und Schnittstellen frühzeitig auf ihre Interoperabilität geprüft und gemeinsam weiterentwickelt werden können.“


Projectathons sind für Hersteller und Infrastrukturbetreiber wichtig
Im nachmittäglichen Fachgespräch ging es um das „Wie, Wo, Wann und Warum“ von Tests. Welche Tools gibt es derzeit, die rund um die Uhr verfügbar sind, was fehlt, was kommt und wie können Unternehmen und Einkäufer von IT-Systemen damit umgehen? Und was hat IHE damit zu tun? Wie kann man kleine Unternehmen erreichen und sie von der Bedeutung der Tests auf Connectathons und Projectathons überzeugen?



Claudio Saccavini (IHE Catalyst) unterstrich die Wichtigkeit der Connectathons und der spezifischeren Projectathons für angehende Softwareentwicklungen, die im EHDS Bestand haben sollen: „IHE wurde gegründet, weil es eine weitere Ebene brauchte, um die Standards zu verknüpfen.“ Daher testet IHE in Connectathons Use Cases und nicht die Standards selbst. Seiner Erfahrung nach braucht es dafür viel Zeit und Ressourcen, die in der Entwicklungsphase in Unternehmen aber oft nicht vorhanden sind. „Ein ungetestetes Produkt, das drei Jahre Entwicklungszeit hatte, konnte bei Go-Live nur zu 20 Prozent performen, mit anschließender noch viel aufwendigerer und ressourcenintensiver Debuggingarbeit.“
Herwig Loidl, der als Softwarehersteller tätig ist, betonte: „Die Teilnahme an einem Connectathon oder Projectathon spart Wochen im Unternehmen ein.“ Schwierig sei es allerdings, für kleine Unternehmen einen niederschwelligen Zugang zu schaffen und ihnen die Chancen der Standardisierung zu vermitteln. „EHDS schafft neue Möglichkeiten, national und international, und er schafft auch neue Bereiche wie ‚Hospital at home‘ oder DIGAs.“ Dafür braucht es die Zusammenarbeit aller: von der Infrastruktur über Spitalsbetreiber und alle Gesundheitsberufe bis hin zu Unternehmen.
Alexander Schanner von IHE Austria erklärt, dass damit auch ein Vendor Lock-in vermieden werden kann. Dadurch steht den Anwendern von Software und Medizintechnik eine Vielzahl von Produkten unterschiedlicher Hersteller zur Auswahl, was den Wettbewerb stärkt.
Jürgen Brandstätter (IHE Austria und IHE Catalyst) fasst zusammen: „Mit dem Projectathon haben wir einen guten Weg eingeschlagen. Denn der EHDS kommt, und ELGA wird EHDS-fit sein. Das müssen wir auch den kleinen Unternehmen kommunizieren, und die Testmöglichkeiten müssen wir weiter ausbauen.“


Die IHE Austria bedankt sich bei allen, die dieses Event möglich gemacht haben, insbesondere beim Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, den Ländern und dem Land Steiermark mit KAGES und der Gesundheitsfonds Steiermark, dem Dachverband, der SVC und IHE Catalyst. Ein besonderer Dank gilt der ELGA GmbH für die Koordination und die fachliche Vorbereitung des Testevents.

(c) Fotos: Alexander Schanner, Dayana Alimkhan, Michaela Endemann-Wright – IHE Austria